| Sensationelle Leistungen beim Shotokan Europacup in Wels, Österreich |
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Die verloren gegangene Routine musste also durch umso grössere Solidarität unter den drei Teammitgliedern wettgemacht werden. Dass ausgerechnet Robin der Schlüssel zu dem unglaublichen Erfolg werden würde, hat am Anfang sicher niemand geglaubt, und macht die Geschichte, welche nur der Sport zu schreiben vermag umso schöner! Der Auslöser des Erfolgs war der Halbfinalkampf gegen die favorisierten Engländer unter Coach Frank Brennan (zu meiner Zeit das Non plus Ultra des Karatesports). Aus taktischen Gründen stellte ich Robin als ersten Kämpfer auf, da ich annahm, dass der stärkste Engländer (Weltcupsieger in Mexico) ebenfalls als Nummer 1 starten würde. Für Robin war diese Ausgangslage natürlich eine enorme Belastung, obwohl er vermutlich nicht wusste, welche Erfolge sein Kontrahent in der Vergangenheit schon verbucht hatte. Nichts desto trotz startete er mit viel Mut und Teamgeist in die Auseinandersetzung. Wie gefährlich und effizient seine Spezialtechnik - Gizami-Giaku-Mawashigeri - ist, wenn er voller Selbstvertrauen kämpft, erfuhr der Engländer nach ca. einer Minute Kampfzeit. Mit der sauber ausgeführten Tsodan Fusstechnik beendete Robin den Kampf vorzeitig mit Ippon und lancierte seine beiden Teamkollegen. Jetzt ging ein Ruck durch die Mannschaft und man spürte, diese Chance werden sich Michi und Nikoll nicht mehr nehmen lassen. So war es dann auch - und wieder stand die Schweizer Mannschaft im Europacup-Final!
Im Halbfinalkampf gegen einen Portugiesen unter grellem Scheinwerferlicht merkte man Nikoll an, dass er heute seine Chance packen wollte. Er übernahm von Anfang an das Kampfgeschehen, besiegte den Portugiesen und qualifizierte sich souverän für den Final. Dort wartete mit Gumarow ein harter Brocken. In einem spannenden Kampf mit anschliessender Verlängerung vergaben die Schiedsrichter schliesslich einen äusserst fragwürdigen Punkt an den Deutschen und entschieden so einen weiteren Kampf mehr oder weniger in Eigenregie - wirklich schade! Trotzdem, der Vizeeuropacuptitel ist eine Supersache für Nikoll, vor allem wenn man bedenkt, dass er sich auf ESKA-Ebene noch im Jugendalter befindet. Im ersten Kampf hatte Shemsi gegen den Junioren-Weltcupsieger von Mexico anzutreten. Es zeigte sich einmal mehr, dass sich Shemsi nicht von grossen Namen beeindrucken lässt. Mit zwei sauberen Tsodan-Techniken besiegte er den Oesterreicher mit 2 : 1 Punkten vorzeitig! Der zweite Oesterreicher war der Jugend-Europacupsieger vom vergangenen Jahr in Crawley. Auf diesen habe ich Nikoll angesetzt. Nach einem spannenden Kampf konnte sich der Oesterreicher schliesslich knapp mit 2 : 1 Punkten durchsetzen. Nun lag die ganze Last auf den Schultern von Michi auf welchen der auf dem Papier stärkste Oesterreicher Thomas Kaserer wartete. Konsequent setzte Michi den kleineren Gegner von Anfang an unter Druck. Für zwei harte Kontertechniken mit zu viel Kontakt wurde der Oesterreicher mit Hansoku-Jui bestraft. Nachdem Kaserer mit einer blitzschnell ausgeführten Faustkombination in Führung gegangen war, musste Michi nun alles auf eine Karte setzen. Kaserer zog sich nun vollends in die Defensive zurück und konterte einen Angriff von Michi abermals mit einem Kontakt. Nun wäre eigentlich alles klar gewesen - Hansoku für Oesterreich und damit Sieg für die Schweiz. Nach einer unendlichen Diskussion retteten die Schiedsrichter Oesterreich mit einem sauberen Schiedsrichtertrick den Sieg. Sie gaben Mubobi (Angriff ohne Eigenschutz) für Michi (das ist noch nachvollziehbar), verzichteten aber grosszügig auf eine weitere Kontaktbestrafung des Oesterreichers. Schade - es wäre noch mehr möglich gewesen an diesem Tag. Trotzdem, wir haben wirklich eine Supertruppe zusammen und wer weiss, vielleicht ist es manchmal besser, wenn man auf gewisse Erfolge noch etwas länger warten muss!?
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